Ulrike Lienbacher Kunstverein Rosenheim 11.7.2002 - 18.8.2002

Gelehrige Körper Eröffnung 5.7.2002 - 19 Uhr


Die in Wien und Salzburg lebende Künstlerin Ulrike Lienbacher präsentiert im Rosenheimer Kunstverein eine Installation aus plastischen Objekten, fotografischen Arbeiten sowie Zeichnungen, vom intimen Kleinformat bis zur wandfüllenden Grafik.

Die Künstlerin nützt bei der Realisation ihrer Arbeiten unterschiedliche Produktionsverfahren, von der individuellen Handzeich-nungen bis zur industriellen Massenproduktion. Diese mit verschiedenen Kunstpelzen bezogenen Objekte, Hocker aus Schaumstoff, wirken wie Körperfragmente. Die pelzige Hülle der im Raum verstreuten Objekte läßt uns an Tierkörper denken, Gedanken an Rudel und Mengen tauchen auf, aber auch die Frage der Verwendbarkeit dieser Objekte.

Sowohl die fotografischen Arbeiten, die im Offset-Druckverfahren produziert werden, als auch die Handzeichnungen mit Tusche ausgeführt, haben den menschlichen Körper, seine Gestik, aber auch seine Präsentation zum Thema. In beiden Medien scheint die Person von dem sie umgebenden Raum isoliert, aber auch entindividualisiert. Die Künstlerin verzichtet in ihren Fotografien durch die Wahl des Bildausschnitts grundsätzlich auf die Abbildung der Köpfe. Sind diese in den grafischen Arbeiten dargestellt, bleiben die Gesichter stets abgewandt. Wären nicht die kunstvollen Frisuren mancher Zeichnungen und die Kleidung bei den Fotografien, wäre für den Betrachter auch eine Bestimmung des Geschlechts der Dargestellten schwer oder gar nicht möglich.

Der auf Gesten, Posen, Gebärden und Haltungen reduzierte Körper verweist, wie schon der Titel der Ausstellung -"Gelehrige Körper" - suggeriert, auf seine Lern- und Anpassungsfähigkeit, aber auch auf den Druck der Disziplinierung durch Normen und Ideale. Werden diese Ideale wie in den "Pin Up Übungen" von den Protagonisten nachgestellt, entstehen merkwürdig starre Fotos von erstaunlich skulpturaler Qualität, die uns die Ambivalenz des Objekt-Subjek-Statuses der dargestellten Personen erahnen lassen.

Die auf Konturen reduzierte, aber bis zu den Fingerspitzen exakte Körperdarstellung der Zeichnungen erscheint wie eine Grammatik der Gesten und Gebärden. Die Strenge dieser Körperdarstellung wird manchmal durchbrochen in der barocken Ornamentik der Frisuren. Sowie dieser Kopfschmuck zu einem Element der Individualisierung wird, bleibt die Frage, ob er der dargestellten Person zur Zierde oder zur Last wird. dennoch unbeantwortet.

Gerade durch die Verbindung unterschiedlicher Medien, des seriell gefertigten Objektes, der Fotografie - nicht als Handabzug, sondern als Offsetdruck -, der Tuschezeichnungen, die vom kleinem Papierformat bis zur Wandzeichnung stets die handwerkliche Brillanz der Künstlerin zeigen, gelingt es Ulrike Lienbacher, nicht nur den Ausstellungsraum situativ zu gestalten, sondern auch dem Betrachter die komplexe Verschränkung ihrer Bildthemen nahezubringen.