Kunst Film Tage 2026

20.& 21.11. 2026

Gastkurator Nils Hampe
Projektleitung Dr. Olena Balun
Grafik Philipp Stähle

Der Kunstverein Rosenheim e.V. präsentiert 2026 zum elften Mal die Kunstfilmtage Rosenheim.


PROGRAMM

Freitag, 20.11.2026, ab 19 Uhr

„Kannst Du Dir vorstellen, dass die Kühe in Deutschland anders aussehen?“ Ein Sommertag an einer Autobahnraststätte. Die LKW’s stehen in Reih und Glied. Alles steht still. Nichts bewegt sich. Hinter der Windschutzscheibe. Unter der Plane. Zwischen den Fahrzeugen. Ein vorübergehendes Zuhause. Sie warten. Daneben die Natur.



Das 1978 fertiggestellte Sava Centar verkörperte achitektonisch eine Vision des zukünftigen Jugoslawiens. Nach dem Zerfall des Staates wurde dieses modernistische Wahrzeichen Belgrads vernachlässigt und verfiel im Laufe der Jahrzehnte zunehmend. Im Jahr 2020 wurde es privatisiert. Stück für Sück wurden die Einrichtungselemente, die seit den 70er Jahren in diesem Kultur- und Kongresszentrum untergebraht waren, entfernt. Wie viele der jüngeren Arbeitnehmer ist Nenad zum ersten Mal im Sava Centar, losgelöst von dessen Vergangenheit und der Gesellschaft, die es erbaut hat.


Der Film nähert sich dem Tbilisser Zirkus, einem 1940 fertiggestellten sowjetischen Monument auf einem Hügel im Zentrum der Stadt. Als öffentliche Institution und architektonisches Wahrzeichen steht das Gebäude in einem Spannungsverhältnis zwischen ständiger Sichtbarkeit und zunehmender Abwesenheit im kollektiven Bewusstsein. Am Fuß des Hügels befindet sich ein geheimer Saatgutbunker, der zur Aufbewahrung und Erforschung seltener Samen errichtet wurde. Inzwischen ist er verlassen, überflutet und versiegelt. Zwischen öffentlichem Spektakel und verborgener Infrastruktur, Erinnerung und Verdrängung untersucht der Film die Architektur als Träger eingeschlossener Geschichten – als einen Ort, an dem Vergangenes fortbesteht, ohne je ganz sichtbar zu werden.



90 % unserer Konsumgüter werden per Schiff transportiert. „Seablindness“ erkundet den Zwischenraum, in dem Land auf Meer trifft: die Häfen, in denen die Güter konzentriert und verteilt werden. Auf endlosen Lagerplätzen bewegen die Kräne Hunderte von Tonnen mit beunruhigender Präzision, und gigantische Schiffe sind bereit in See zu stechen. Eine geduldige Beobachtung offenbart jedoch eine andere Perspektive: ein nacktes Kind, das im Schatten eines Krans schwimmen lernt, Wildvögel, die neben den Containertürmen grasen, junge Menschen in Kajaks, die für einen kurzen Moment das Dock blockieren. Auf einer Reise entlang der vielfältigen Ränder fangen wir eine Funkverbindung zwischen einem Hafenbeamten und einem verlassenen Seemann ab, der von einer seltsamen Krankheit befallen ist.


Samstag, 21. 11.2025, 19 Uhr


In seinem LKW legt Fernfahrer Étienne täglich weite Strecken durch ganz Europa zurück. Sein Leben folgt dem strengen Zeitplan des Logistikunternehmens, dem Verkehr und anspruchsvollen Kunden. Menschlicher Nähe öffnet er sich nur selten: mit anderen schwulen Fernfahrern, flüchtige Treffen am Rand eines Parkplatzes, auf dem Rücksitz eines fremden LKWs. Doch mit Bartosz wird aus schnellem Sex eine echte Verbindung. Der polnische Trucker lacht der Einsamkeit mutig ins Gesicht und Étienne kann nicht mehr ohne ihn. Doch wie zusammen sein, wenn beide ständig unterwegs sind? Regisseur Pierre Le Gall erkundet in „Flesh & Fuel“ voller Empathie die Menschen, die mit ihren Lastwagen nahezu pausenlos ganz Europa durchkreuzen. Dabei räumt er auf mit dem Klischee der vermeintlich homophoben Arbeiterklasse: Die Liebe zwischen Étienne und Bartosz ist nie das Problem – aber ihr wird es nicht leicht gemacht in einer Welt, in der das Herkunftsland die Chancen auf Wohlstand bestimmt. Ein realitätsnahes und dabei hoffnungsvolles Bild einer großen Liebe, in Cannes ausgezeichnet mit der Special Queer Palm Revelation.